Ergotherapie für KinderLern- und Verhaltensstörungen

ADS und ADHS

Nicht bei jeder Aufmerksamkeitsstörung oder Hyperaktivität muss ADHS vorliegen.

Ergotherapie bei ADS und ADHS

Nicht bei jeder Aufmerksamkeitsstörung oder Hyperaktivität muss ADHS vorliegen. Viele andere Faktoren können dafür die Ursache sein. Daher steht zu Anfang einer Behandlung stets eine ausführliche Diagnostik.

ADS und ADHS sind nicht heilbar. Somit beziehen sich die ergotherapeutischen Behandlungen bei diesem Störungsbild auf das Erlernen von Kompensationsmechanismen und auf die vielfältige Beratung aller Beteiligten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Verhaltenstherapeutische Maßnahmen
  • Regeln und Konfliktbewältigung in einer Gruppe
  • Training von Ausdauer der Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Regulation der Impulskontrolle
  • Erlernen von Selbststrukturierung und Handlungsplanung
  • Gespräche und Anleitung von Erziehern und Lehrern
  • Beratung und Anleitung der Eltern im häuslichen Bereich

Oftmals zeigen ADHS-Kinder Entwicklungsverzögerungen, wie zum Beispiel bei der Wahrnehmung von Sinnesreizen, Gleichgewichtsstörungen, Störungen in der Fein- und Grobmotorik und vielem mehr. Diese sog. „Begleitsymptome“ werden in der Ergotherapie zum Beispiel mit der sensorischen Integrationstherapie behandelt. (siehe Therapieverfahren)

Wissenswertes über ADS und ADHStop

Durch eine genetische Veranlagung besteht eine Minderversorgung mit Dopamin. Dadurch bedingt ist der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen beeinträchtigt und Reize können nicht richtig verarbeitet werden.

Kinder, die von ADS (Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität) betroffen sind, fallen oft durch ihre Verspieltheit auf, träumen oft vor sich hin und fallen durch ihr langsames Handeln auf. In der Schule haben die Kinder große Probleme, sich auf den Unterrichtsstoff zu konzentrieren, sind vergesslich und die Hausaufgaben werden für Eltern und Kind schnell zur Qual. Enttäuschung über den ausbleibenden Erfolg und daraus resultierend ein vermindertes Selbstwertgefühl ist daher oft unausweichlich.

Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität) fallen durch ihre motorische Unruhe, ihre Impulsivität (unüberlegtes Handeln) und ein gestörtes Kontaktverhalten zu Gleichaltrigen auf. Im Kindergarten und in der Schule werden diese Kinder oft als „Unruhestifter“ abgestempelt.

Nicht immer liegt bei den beiden oben beschriebenen Symptomen eine ADS- oder ADHS-Störung vor. Eine Entwicklungsstörung, eine instabile Familiensituation oder eine neurologische Erkrankung können ebenfalls Auslöser sein. Eine sorgfältige Diagnostik ist daher unverzichtbar. Oft kommen Fragebögen zum Einsatz, wie zum Beispiel der DCL-HKS, der von allen Bezugspersonen des Kindes ausgefüllt wird. Ein Beispiel: Kann sich ein Kind bei den Hausaufgaben nicht konzentrieren, löst aber problemlos und geduldig ein 200-Teile-Puzzle, ist dies ein klares Ausschlusskriterium für ADS/ADHS.

Medikamente – Methylphenidat pro und contratop

In den letzten Jahren ist viel über die verschriebenen Psychostimulanzien diskutiert worden – oftmals emotional und unsachlich. Fakt ist, alle Eltern müssen die Entscheidung selbst treffen. Meist wird das Thema Medikamente angesprochen, wenn das Kind in der Schule nicht mehr zurechtkommt. Obwohl sie normal oder vielleicht sogar überdurchschnittlich intelligent sind, haben diese Kinder oft schlechte Noten, sind sozial isoliert und landen nicht selten nach einigen Jahren auf Förderschulen.

Für uns als Therapeuten ist es wichtig, erst alle nicht medikamentösen Therapien auszuschöpfen und alle oben beschriebenen Ausschlusskriterien zu hinterfragen.

Sollte ein Kind dennoch nicht in der Schule und seiner Umwelt zurechtkommen, ist eine medikamentöse Therapie durchaus sinnvoll und hilfreich. Erfahrungen zeigen, dass eine zusätzliche begleitende Verhaltenstherapie (z.B. durch einen Kinder und Jugend-Psychologen) die besten Erfolge liefert.

Übungen für zu Hausetop

Um die Kinder optimal zu unterstützen, bekommen sie innerhalb der Ergotherapie regelmäßig Aufgaben, die sie alleine oder zusammen mit ihren Eltern erledigen sollen. Dabei hilft auch die Beratung Ihres Therapeuten über Alltags-Übungen für Ihr Kind, wie zum Beispiel:

  • Welche Ideen lassen sich einsetzen, um die Konzentration zu trainieren?
  • Mit welchen Spielen können die Wahrnehmungsbereiche trainiert werden?
  • Welche Regeln und Arbeitsverteilung gibt es in der Familie?
  • Welche Sportarten eignen sich zur Förderung der Konzentration?

Wir haben viele Anregungen und Ideen für Sie gesammelt und in einer Elternbroschüre zum Download zusammengefasst.

Hilfreiche Links und Literaturtop

Unter folgenden Internetadressen finden Sie weitere Informationen und Unterstützung:

Für Fragen bezüglich der ärztlichen Diagnostik und der medikamentösen Therapie:

Literaturempfehlungen bei Kindern mit ADS:

  • Uta Reimann-Höhn: Langsam und verträumt
  • Aust-Claus, Hammer: ADS - Eltern als Coach
  • Ettrich, Murphy-Witt: ADS - So fördern Sie Ihr Kind
  • Rosemarie Farnkopf: ADS und Schule

Literaturempfehlungen bei Kindern mit ADHS:

  • Naumann, Schlottke, Lauth: Rastlose Kinder, ratlose Eltern
  • Brandau, Pretis, Kaschnitz: ADHS bei Klein- und Vorschulkindern
  • Doren Paal: ADHS