Ergotherapie für KinderLern- und Verhaltensstörungen

Lese-Rechtschreibstörung (LRS) und Dyskalkulie

Je früher eine solche Schwäche erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose.

Ergotherapie bei Lese-Rechtschreib-Störung (LRS)

Grundsätzlich wird zwischen der isolierten Rechtschreibstörung, der Lese-Rechtschreib-Störung sowie der kombinierten Störung (lesen, schreiben, rechnen) unterschieden. Die Lese-Rechtschreib-Störung, auch LRS genannt, ist diagnostisch bisher noch nicht eindeutig von der Legasthenie abgegrenzt. Die Ursachen sind noch nicht eindeutig erforscht, man geht aber von einer genetischen (vererbten) Schwäche der visuellen und auditiven Wahrnehmung aus.

Je früher eine solche Schwäche erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose. Es gibt bisher keine Ausbildungs- oder Weiterbildungsverordnung für den Bereich Therapie oder Förderung. Legasthenie-Therapeut ist ein künstlicher Titel mit wenig Aussagekraft. Auch bezüglich der Fördermethoden gibt es bislang keine eindeutigen Studien zur Wirksamkeit.

Vor der Behandlung steht eine ausführliche Diagnostik, um andere Gründe der LRS auszuschließen. Eine aussagekräftige Diagnostik bei Ärzten, Psychologen oder dem schulpsychologischen Dienst ist auch aus Gründen einer veränderten Benotung in der Schule ein wichtiger Schritt.

In der Ergotherapie werden zum einen die Bereiche visuelle (sehen) und auditive (hören) Wahrnehmung trainiert, zum anderen wird ein gezieltes Lese- und Rechtschreib-Programm eingesetzt. In unserer Praxis haben wir gute Erfolge mit dem Lese- und Schreibtraining nach dem Intra-Act-Plus-Konzept© (nach Jansen & Streit) erzielen können.

Wissenswertes über die Lese-Rechtschreib-Störungtop

Wie schon oben beschrieben, ist eine sorgfältige Diagnostik unbedingt erforderlich, um zwischen folgenden Störungsbildern zu unterscheiden:

  1. Lese-Rechtschreib-Schwäche: Durch mangelhafte Schulung, durch Seh- oder Hörbehinderung oder durch eine Erkrankung hervorgebrachte Schwäche.
  2. Lese-Rechtschreib-Störung: Die Lese- und Rechtschreibfähigkeiten sind trotz normaler Intelligenz deutlich schlechter als bei vergleichbaren Kindern.
  3. Isolierte Rechtschreibstörung: Die Rechtschreibfähigkeit ist deutlich betroffen, obwohl keine Lesestörung nachgewiesen werden kann.
  4. kombinierte Störung: Außer der Lese- und Rechtschreibstörung liegt noch eine Dyskalkulie (Rechenstörung) vor.

Typisch für alle oben beschriebenen Störungen sind zum Beispiel:

  • langsames Lesen und Schreiben
  • lange Lesepausen und Verrutschen in den Zeilen
  • Vertauschen oder Verdrehen von Buchstaben und Silben
  • häufige Fehler bei Dehnungs- und Doppellauten
  • Fehler auch beim Abschreiben von Texten
  • fehlendes Verständnis von Textinhalten
  • Probleme auch in anderen Fächern und bei Fremdsprachen
  • Kompetenzlücken in vielen Bereichen, durch fehlendes „Anlesen“ von entsprechenden Wissensgebieten

Eine wichtige Voraussetzung für eine wirksame Therapie ist die frühestmögliche Förderung. Daher sollte bei Auffälligkeiten, auch im Kleinkindalter, eine Untersuchung und Beratung durch den behandelnden Kinderarzt stattfinden

Ergotherapie bei Dyskalkulietop

Bei Rechenvorgängen werden viele frühzeitlich entwickelte Fähigkeiten benötigt, die miteinander verknüpft werden. Durch Auslassen eines oder mehrerer dieser Entwicklungsschritte kann eine Dyskalkulie entstehen. Auch genetische Ursachen im Zusammenspiel mit den fehlenden Grundfähigkeiten gelten als Möglichkeit.

Vor der Behandlung steht eine ausführliche Diagnostik, um andere Gründe der Dyskalkulie auszuschließen. Eine aussagekräftige Diagnostik bei Ärzten, Psychologen oder dem schulpsychologischen Dienst ist auch aus Gründen der veränderten Benotung in der Schule ein wichtiger Schritt.

In der Ergotherapie werden zuerst die oben angesprochenen Fähigkeiten trainiert. Bewusst werden erst danach erste „Rechenvorgänge“ wie viel, wenig, kleiner, größer, aber auch z.B. die Orientierung beübt, auch wenn diese Grundrechenfähigkeiten auf den ersten Blick, nicht mehr altersadäquat erscheinen.

Weiterhin wird in der Therapie mit den Kindern eingeübt, wie sie mit ihren Rechenschwierigkeiten besser umgehen können. Diese Vorgänge werden mit den Lehrern und Eltern ständig eng abgestimmt. Ein weiterer Punkt ist die Stärkung des Selbstwertgefühls, um eine soziale Abgrenzung zu vermeiden.

Wissenswertes über Dyskalkulietop

Bereits bei Kindergartenkindern können Probleme mit Größen, Längen und Dimensionen auftreten. Trotzdem fällt eine Rechenschwäche oft erst nach den ersten beiden Schuljahren auf, wenn Finger-Mitzählen oder andere Hilfsmittel nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Oftmals haben die Kinder dadurch auch in anderen Schulfächern Verständnisprobleme.

Charakteristisch für Kinder mit Dyskalkulie sind zum Beispiel:

  • mangelndes Aufgabenverständnis bei jeglichen Größen
  • Probleme bei Zeit- und Richtungsangaben
  • Kategorisieren von Mengen- und Gewichtsgrößen
  • Probleme bei Diagrammen, Tabellen und Karten
  • Verständnisprobleme bei geschichtlichen Zusammenhängen (z.B. Jahreszahlen)
  • Schwierigkeiten auch in anderen Fächern, wie Erdkunde, Biologie, Physik und Chemie

Eine wichtige Voraussetzung für eine wirksame Therapie ist die frühestmögliche Förderung. Daher sollte bei Auffälligkeiten, auch im Kleinkindalter, eine Untersuchung und Beratung durch den behandelnden Kinderarzt stattfinden.

Übungen für zu Hausetop

Um die Kinder optimal zu unterstützen, bekommen sie regelmäßig Aufgaben, die sie zusammen mit ihren Eltern erledigen sollen. Dabei hilft auch die Beratung Ihres Therapeuten über Trainingsideen, wie zum Beispiel:

  • Mit welchen Spielen können die auditive und visuelle Wahrnehmung trainiert werden?
  • Wie lassen sich spielerisch Mengen und Größen in den Alltag integrieren?
  • Welche Materialien und Bücher sind hilfreich?

Wir haben viele Anregungen und Ideen für Sie gesammelt und in einer Elternbroschüre zum Download zusammengefasst.

Die Kosten der Ergotherapie werden von den Krankenkassen übernommen. In bestimmten Fällen können bei anderen Fördereinrichtungen die Kosten von der sogenannten Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII) übernommen werden. Diese Gelder können beim zuständigen Jugendamt beantragt werden.

Hilfreiche Links und Literaturtop

Unter folgenden Internetadressen finden Sie weitere Informationen und Unterstützung:

Literaturempfehlungen bei Kindern mit Legasthenie:

  • Jansen, Streit, Fuchs: Lesen und Rechtschreiben lernen
  • Gerd Schulte-Körne: Ratgeber Legasthenie

Literaturempfehlungen bei Kindern mit Dyskalkulie:

  • Klaus R. Zimmermann: Jedes Kind kann rechnen lernen
  • Silvia Pixner: Dyskalkulie